Erstellt von Carolin Peinecke

Betroffene zu Gestaltern machen

Das House of Change gilt als eines der meist verwendeten Modelle, um Muster und Emotionen zu beschreiben. Aber muss es wirklich sein, dass jeder durch die vier Räume läuft? Wir sagen ja – aber...

In unseren Transformationsprozessen, genauso wie in unseren Development Programmen für Führungskräfte, stellt das House of Change, das bereits vor vielen Jahren von Claas Jansen so treffend entwickelt wurde, ein Kernmodell dar. Veränderung beginnt mit dem Menschen und Menschen haben Emotionen. Es beschreibt vortrefflich und in Bildern, die man sich leicht merken kann, wie es Menschen ergeht, die Betroffene von Veränderungen sind.

So ist es in klassischen Unternehmen: Der Change kommt von oben.
Die Unternehmensleitung überlegt sich eine Veränderung, eine neue Ausrichtung, eine bessere Kundenorientierung, mehr dies und weniger das. Die Message wird ausgefeilt und in spannenden Veranstaltungen, Global Webcasts, Intranetartikeln usw. an die Mitarbeiter verkündet. Diese reagieren wie im House of Change beschrieben: mit Selbstzufriedenheit und Unverständnis, mit Abwarten und Verweigerung, mit Verwirrung und am Ende doch auch meist mit eigenen Ideen und einem persönlichen Beitrag zur Weiterentwicklung. Kurz gesagt, die Mitarbeiter sind Betroffene und werden hoffentlich von guten Führungskräften zu Beteiligten gemacht. Jeder kennt dieses Prinzip, gilt es doch als Leitstern für den Umgang mit Veränderungen.


Im Grunde warten in vielen
Unternehmen die Menschen
doch nur darauf,
dass sich etwas ändert,
dass Strukturen und Prozesse 
endlich aufgelöst werden.
 

Doch wozu das alles? Seien wir doch mal ehrlich, im Grunde warten in vielen Unternehmen die Menschen doch nur darauf, dass sich etwas ändert, dass Strukturen und Prozesse, die ein reibungsfreies und konstruktives Arbeiten behindern, endlich aufgelöst werden. Sie tauschen sich bei Mittagessen oder Kaffee aus, was anders sein müsste, was die da oben endlich mal verstehen müssten. Um im Bild des House of Change zu bleiben: Sie warten doch die gesamte Zeit bereits im Raum der Verwirrung auf Lösungen für alt bekannte Probleme. Sie sind betroffen und möchten beteiligt werden. Mehr erwarten sie häufig gar nicht.

Für uns beginnt es schon mit der Haltung, "Betroffene zu Beteiligten" machen zu wollen. Warum eigentlich nicht "Betroffene zu Gestaltern"?
Was passiert eigentlich mit meinen Emotionen im House of Change, wenn ich plötzlich die Veränderungen meiner Arbeitswelt selbst gestalten kann? Die grundsätzliche Ausrichtung der Emotionen bleibt aus unserer Erfahrung gleich, aber sie entwickelt sich in eine positive, konstruktivere Richtung. Aus Zufriedenheit wird Stolz auf das Erreichte und auf die Dinge, die auch in einem veränderten Umfeld genau so bleiben dürfen. Aus Verleugnung wird Respekt und Ehrfurcht vor den Auswirkungen einer Veränderung, vielleicht auch Demut. Jedenfalls eine wichtige Emotion, die Menschen davor bewahrt, zu große Risiken einzugehen, sich zu überschätzen. Aus der Verwirrung werden Unsicherheit und die Suche nach dem geeigneten Weg sowie ebenfalls Mut. Aus Erneuerung wird ein gezieltes Ansteuern der Veränderungen, die den Unterschied machen, mit ganz viel Kreativität.

 

Sie werden überrascht sein,
wie viele Möglichkeiten
der Gestaltung es gibt
und wie viel mehr Energie
die Reise durch das
House of Change freisetzt.
 

Nun ist es aber im echten Leben so, dass niemand alles gestalten kann, schon gar nicht allein. Manche Dinge sind einfach gegeben, z. B. gesetzliche Vorgaben, Fragen der Arbeitssicherheit, Entwicklungen auf dem Markt, die man nicht vorhergesehen hat. Man ist also niemals zu 100% Gestalter, egal in welcher Position man sich in einer Organisation befindet. Deshalb ist unsere Empfehlung an Verantwortliche in Unternehmen, sich gemeinsam mit den Menschen anzusehen:

  • Wo sind wir einfach nur Betroffene und müssen die Veränderung akzeptieren?
  • Wo können wir zwar nicht selbst entscheiden, aber uns beteiligen, mit unserer Perspektive zu einer erfolgreichen Lösungsfindung beitragen?
  • Und wo können wir wirklich gestalten?

Sie werden überrascht sein, wie viele Möglichkeiten der Gestaltung es gibt und wie viel mehr Energie dann die Reise durch das House of Change freisetzt. In selbstorganisierten Unternehmen ist dies oberstes Handlungsprinzip, aber auch in hierarchisch organisierten Unternehmen ist viel mehr möglich, als wir bisher denken.

     

     

     


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