Erstellt von Carolin Peinecke

Von Toleranz und Brücken

New Work bringt so viele gute Ideen mit sich! Jedoch – viele Menschen stehen dem skeptisch gegenüber. Zu Recht.

In so vielen Unternehmen werden zur Zeit alte Muster aufgebrochen, von denen wir schon dachten, dass sie sich niemals ändern. Eine Disruption, die so viel Gutes verspricht. Dennoch ist es noch immer eine Blase, in der sich diese Bewegung befindet, sind noch viele Unternehmen und so viele Bereiche unserer Gesellschaft davon unberührt. Es gibt so viele Menschen, die dem skeptisch gegenüberstehen. Zu Recht. Nach dem EuGH im Mai ist klar, dass Arbeitgeber zukünftig verpflichtet sind, die Arbeitszeit zu erfassen. Zu groß ist die Sorge – und wohl leider auch die Erfahrung – dass die viel gepriesene Vertrauensarbeitszeit zu Überlastung, Überforderung und gar Ausnutzung führen kann. Der Aufschrei der New Work Blase war entsprechend groß. Alles, was man sich hart erarbeitet habe, sei damit hinfällig. Da habe der EuGH nicht verstanden, worauf es in einer eigenverantwortlich agierenden Gesellschaft ankomme. Wir sehen das anders. Nur, weil ein (elitärer?) Kreis von Arbeitsrebellen, VUCA Rockern, Agilisten und Co sich in dieser Welt wohl fühlen, heißt das noch lange nicht, dass sich alle Menschen bald darin wohlfühlen. Ganz im Gegenteil:

Studien zeigen, dass die aktuellen Studenten eher nach Sicherheit und Beständigkeit suchen.
Der Staat wird als Arbeitgeber immer beliebter. Haben wir es mit einer Generation zu tun, die die gewonnenen Freiheiten unserer Gesellschaft nicht mehr schätzt? Was wir brauchen, sind Toleranz und Brücken. Wir müssen darauf achten, dass wir nicht weit vorausrennen und dann aus einiger Entfernung rufen, dass hier das Gelobte Land sei. Wir müssen den Menschen unsere Hand reichen, ihnen zuhören, ihre Ängste, Sorgen und Bedenken ernst nehmen und ihnen die Chance lassen, sich auch Schritt für Schritt neuen Wegen zu öffnen. „Flippen“ heißt ein neues Zauberwort. Von jetzt auf gleich konsequent etwas verändern. Das ist richtig, gut und erfolgversprechend und gleichzeitig nicht der Weg für jeden Menschen. Denn je mehr wir Menschen das Gefühl geben, dass sie nicht richtig sind, dass sie es noch nicht verstehen, dass sie die falsche Haltung haben, umso mehr riskieren wir, dass sie Schritte rückwärts machen als auf einander zu. Deshalb ist es uns in jedem Movendo-Projekt, in jeder Begegnung wichtig, Brücken zu bauen. Nicht, um Menschen abzuholen, sondern um sie auf ihrem Weg zu begleiten, auf Schulterhöhe und auf Augenhöhe. Denn das hat jeder Mensch verdient. 


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