Erstellt von Franziska Müller

#favouritemodel No. 2 - Abgrenzung von Prinzipien und Regeln

„Die bewusste Abgrenzung von Regeln und Prinzipien ist insbesondere in der persönlichen Zusammenarbeit hilfreich und unterstützt den Vertrauensaufbau.“ Eines meiner liebsten Denkmodelle bezieht sich auf das Miteinander und die Leitlinien der Kooperation in Teams. Prinzipien sind für mich dabei die „neuen Regeln der Zusammenarbeit“ in einem komplexen Umfeld.

Die Unterscheidung von Regeln und Prinzipien soll folgendes Beispiel veranschaulichen:

  • Die Regel: „Im Teammeeting muss jeder zu Wort kommen und einen Beitrag leisten.“
  • Das Prinzip: „Jeder hat das Recht gehört zu werden.“

Regeln geben vor, was zu tun oder zu lassen ist. Sie sind ein eindeutiger Indikator dafür, ob etwas richtig oder falsch ist und sie beschreiben eine eindeutige Kausalkette - eine Wenn-Dann-Beziehung: „Wenn wir ein Teammeeting haben, muss jeder etwas sagen.“ Für komplizierte, kalkulierbare Aufgaben, sowie Umgebungen, in der Sicherheit oder das Menschenleben an erster Stelle steht, sind Regeln wirkungs- und sinnvoll.

Doch wie wirkungsvoll sind Regeln, wenn wir nicht mehr genau sagen können, was morgen passiert?

Oder, wenn es um Ideen geht und vorgegebene Pfade das freie Spiel der Kreativität im Team begrenzen würden? Wenn es wichtig wird, dass ein Team selbstverantwortlich arbeitet und nicht auf Anweisungen der Chefetage wartet? Wir leben in einer komplexen, schnelllebigen Welt, in der viele Dinge nicht mehr vorhersehbar sind. Dies trifft nicht nur auf die Umgebung einer Organisation zu, sondern auch auf die Organisation selbst sowie Teams, in denen Zusammenarbeit stattfindet. In solchen komplexen Netzwerken arbeiten Personen mit individuellen Persönlichkeiten, Erfahrungen und Werten zusammen. Aus dem Konstruktivismus weiß man, dass sich Menschen immer ihre eigene Realität erschaffen. Somit greifen Regeln in vielen Fällen zu kurz und unterstützen Führungskräfte nicht dabei, eine kreativ wertvolle Umgebung zu schaffen. Es sind vielmehr Haltungen und Grundsätze, die Menschen in ihrem Verhalten beeinflussen und uns eine gemeinsame Richtung ermöglichen können.

Wenn Herausforderungen individuell unterschiedlich gedeutet werden, gibt es nicht nur „die eine richtige Lösung“.

Prinzipien ermöglichen es, Sachverhalte und den Kontext zu interpretieren und vielfältige Lösungsansätze zu finden. Das obige Beispiel zeigt, dass das Prinzip „Jeder hat das Recht gehört zu werden“ einen Spielraum zulässt und somit selbstverantwortliches Handeln unterstützt – wenn nicht sogar implizit einfordert.
Das ist in komplexen Umgebungen umso wertvoller. Denn in einem Umfeld, in dem Führungskräfte mit ihrem Team durch gemeinsame Prinzipien einen für alle Beteiligten nachvollziehbaren, klaren Handlungsrahmen schaffen, ist es möglich das sogenannte Mehrhirndenken zu aktivieren. Auf diese Weise wird agiles und flexibles Entscheiden und Agieren in sich verändernden Umständen möglich. Das ist kein Automatismus, aber Prinzipien regen zum konstanten Austausch darüber an, was in der jeweiligen Situation als das gemeinsame, sinnvolle Handeln gesehen wird.

Wie hilft mein #favouritemodel dir?

  • Du hast den Eindruck, dass die Haltung „Das müssen wir hier doch so machen“ in deinem Team neue Lösungswege verstellt? Dann nehmt euch die Zeit und besprecht einmal euer gemeinsames Verständnis von Regeln und Prinzipien.
  • In diesem Kontext deckt ihr gleichzeitig auf, welche Prinzipien und Regeln für dein Team heute gelten.
  • Als Führungskraft solltest du dich unbedingt fragen, ob und welche der bestehenden Regeln du mit deinem Team durch Prinzipien ersetzen möchtest. Gemeinsam mit dem Team in einer vertrauensvollen Atmosphäre Prinzipien festzulegen, unterstützt das Commitment und die (Selbst-) Verantwortung innerhalb des ganzen Teams. Während Regeln den klaren Wenn-Dann-Zusammenhang beschreiben, fokussieren Prinzipien die Aspekte, die euch als Team wichtig sind und in allen Situationen Berücksichtigung finden sollen.
     

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