Erstellt von Katrin Aust

#favouritemodel No. 3 - Don't assume

„Annahmen zu treffen“ ist einer der größten Stolpersteine in der Kommunikation und damit auch in der Beziehung der Führungskraft zu ihren Mitarbeitern und Kollegen. Etwas „anzunehmen“ anstatt tatsächlich nachzufragen und in Erfahrung zu bringen, birgt die Gefahr, dass ich mein eigenes Bild, mein eigenes Verständnis und Wissen dem anderen unterstelle und somit leicht übersehe, dass tatsächlich Unterschiede existieren.

Unterschiedliche Informationen, unterschiedliche Interpretationen, unterschiedliche Sichtweisen. Auf unserem Weg lernen wir schon sehr früh, Wissen wiederzugeben und zu zeigen, dass wir uns mit einem Thema auskennen. Mit einer offenen Haltung, in der wir keine Annahmen treffen, geht es jedoch in einem ersten Schritt eher darum zu erfahren, wie die Perspektive des anderen sich gestaltet, was der andere weiß oder denkt. Hierbei handelt es sich um eine Haltung, die ein wenig Übung benötigt.

Wenn ich es mir also zur Angewohnheit mache, tatsächlich herauszufinden, was genau mein Gegenüber wahrnimmt und interpretiert, sieht und weiß, dann komme ich einer gemeinsamen mentalen Landkarte, einem Abgleich der jeweiligen Vorstellungen oder Wissensstände, sehr viel näher. In unserer Vorstellung von Kooperation, ist es unabdingbar, die Perspektiven des Gegenüber zu erkunden und zu verstehen.

In seinem Buch „sieben Wege zur Effektivität“ spricht S. Covey davon, „erst zu verstehen, dann verstanden werden“. Genau darum geht es, wenn ich zum einen als Grundprinzip immer davon ausgehe, dass unterschiedliche Sichtweisen existieren und zum anderen die mentalen Landkarten zusammenführen möchte.

Eine nachvollziehbare Herausforderung an dieser Stelle ist das zeitliche Investment, das benötigt wird um nachzufragen, zuzuhören und zu verstehen. Es bedarf ein bisschen Übung, seine eigenen Sichtweisen, vor allem als Führungskraft, erst einmal beiseite zu legen und offen zu sein für die Informationen meines Gesprächspartners. Im besten Fall habe ich mir hierbei angewöhnt, offene Fragen zu stellen und aktiv zuzuhören, um möglichst viel zu erfahren und zu verstehen. Ich signalisiere mein Interesse durch Zusammenfassungen des Gehörten und durch Verständnisfragen.

Gesprächspartner, denen ich interessiert und offen begegne, fühlen sich ernst genommen, gehört und können somit durch ihre Perspektive einen Beitrag leisten. Der wunderbare Nebeneffekt, wenn ich mir diese Vorgehensweise einmal angewöhnt habe, ist in den meisten Fällen eine sehr vertrauensvolle Interaktion, in der meine Kollegen und Mitarbeiter den klaren Vorteil des „Don´t assume“ erleben und es sich bestenfalls ebenso zur Gewohnheit machen. Offene Fragen zu stellen und offen zu sein für die Antworten bedeutet, die Perspektiven zu verstehen und wechseln zu können. Und all dies möchte ich in einem Arbeitsumfeld nicht missen.

Wie hilft mein #favouritemodel dir?

Wenn du in einem Gespräch merkst, dass du bereits mehrfach deine Sichtweise geschildert hast, diese aber irgendwie nicht anzukommen scheint, dann ist es in der Regel höchste Zeit, die Perspektiven zu wechseln und zu erfahren, wie sich eine bestimmte Situation für dein Gegenüber darstellt.

Anstatt deine Meinung oder Ansicht noch deutlicher oder vielleicht sogar lauter zu wiederholen, lohnt es sich immer erst einmal zuzuhören.

Vor allem als Führungskraft ist das eine sogenannte „SuperPower“ und „SuperDuty“ gleichzeitig. Das Wissen und/oder die Meinungen deiner Mitarbeiter zu hören, zu sammeln und dann bestenfalls für alle transparent zu machen ist hierbei eine der Kernaufgaben. Und das funktioniert tatsächlich vorwiegend dadurch, dass du erst einmal die anderen hörst und durch offene Fragen zu ihrem jeweiligen Beitrag ermunterst.

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