Erstellt von Marc Chmielewski

#favouritemodel No.11 - Virtuelle Führung

Virtuell, remote, auf Distanz Führen – egal, wie du es nennst, es dreht sich immer um Führung, um Führung als Funktion und gemeinsames Gedankenmodel. Es geht dabei um die Interaktion mit Menschen, nicht um die Führungskraft.

Bereits in Präsenzkontexten sind Fragen von „Wie arbeiten wir gut, motiviert, sinnstiftend, zielführend und mehrwertbringend zusammen?“ für Führungskräfte und Teams eine tägliche Herausforderung. Der virtuelle Kontext erweitert diese Herausforderung um die Tatsache, dass wir deutlich weniger bis gar keine zufälligen Begegnungen haben und deutlich weniger Interaktionsmöglichkeiten.

Entsprechend ist es im virtuellen Kontext absolut entscheidend, die wenigen Interaktionen bewusst zu nutzen und mehr noch, sie bewusst herbeizuführen und zu gestalten.

Konkret kommt es bei virtueller Führung darauf an, den Rahmen für erfolgreiche (Zusammen)Arbeit bewusst zu gestalten und dafür die Möglichkeiten der virtuellen Interaktion zu nutzen. Wann kommunizieren wir asynchron und exklusiv per Email, wann kommunizieren wir asynchron und inklusiv per Chatfunktion in einer Kollaborationsumgebung, welche Themen werden miteinander in Videokonferenzen angegangen, wie schaffen wir „Agenda freien“ Austausch miteinander und wie stellen wir sicher, dass alle Emotionszustände im Team ihren Raum bekommen und niemand im virtuellen Nirvana oder dem Homeoffice zurückbleibt. Zusammen mit der vielgerühmten Effizienz des virtuellen Arbeitens muss auch das menschliche Bedürfnis nach Nähe, Kontakt und Beziehung in Balance gebracht werden und Vertrauen als Basis erfolgreicher Teamleistungen durch virtuelle Interaktionen hergestellt und erhalten werden.

Es bieten sich viele Optionen, virtuelle Führung auszugestalten und dabei gibt es wie immer nicht den Königsweg. Entscheidend bleibt, Führung aktiv und bewusst zu gestalten und sich und das Team immer wieder zu fragen, was brauchen wir, um den nächsten Schritt als Team bestmöglich zu tätigen. Wenn ich Führung als Funktion in meinem Team verstehe, die letztlich unabhängig von mir als Führungskraft funktionieren soll, dann ist im virtuellen Kontext die Frage entscheidend, wie bleibt Führung wirksam wenn wir nicht gerade in virtuellen Meetings sind? Wie stellen wir sicher, dass wir gemeinsame Prämissen haben und Entscheidungen nach transparenten Prinzipien treffen, damit sie für alle reproduzierbar sind?

Mit diesem Verständnis von virtueller Führung gestalte ich meinen Führungsalltag so, dass wir möglichst viele Interaktionen im Team haben, die immer auch eine Beitrag zu unserer Beziehungsarbeit leisten und ganz explizit mit unseren unterschiedlichen emotionalen Befindlichkeiten umgehen – je mehr, je transparenter, je expliziter, desto vielfältigere Beziehungsgestaltung wird möglich. Also, welche Botschaften sendest du heute, um deinen Beitrag zur Beziehungsarbeit zu leisten?

Wie hilft mein #favouritemodel dir?

Dein Alltag in virtueller Führung könnte folgende Elemente beinhalten:

  • Poste morgens kurz für dein Team, wie es dir geht, was dich beschäftigt und wie du  heute erreichbar bist, damit transparent ist, was du tust und das Team animiert ist, sich ebenso mitzuteilen.
  • Wenn du  freie Zeit hast, dann rufe genau das Teammitglied an, das du  schon lange nicht mehr alleine gesprochen hast  und sage einfach: Wie geht es dir? Ich möchte einfach mal wieder mit dir sprechen…
  • Sorge dafür, dass ihr als Team regelmäßig Zeit gemeinsamen miteinander verbringen könnt. Dafür kläre, wann die beste Zeit dafür ist und halte diesen Austausch aufrecht, ohne daraus einen Zwang zu machen.
  • Wenn Teammitglieder abtauchen, ruhig bleiben oder nicht virtuell sichtbar sind, dann melde dich genau bei diesen Teammitgliedern zeitnah, frage nach und mache gleichzeitig deutlich, wie wichtig die gemeinsame Interaktion für das gesamte Team ist.
  • Überlege dir  sehr bewusst welche Möglichkeiten du hast und nutzt, um auch virtuell ausreichend Wertschätzung zu vermitteln und Stolz auf die gemeinsame Leistung zu erzeugen. Nutze diese Möglichkeiten eher häufiger als in einer Präsenzkultur üblich.
  • Ermögliche regelmäßig einen tieferen Einblick in deine Gedanken, Gefühle und Entscheidungen indem du  einen  Blog führst, Videos postest oder auf sonstigen Wegen zumindest intern und vielleicht auch extern einen Zugang zu dem gewährst, was dich bewegt.
  • Kläre regelmäßig mit deinem Team, was genau ihr noch in euren virtuellen Interaktionen brauch, um Vertrauen und Nähe auf Distanz aufrechtzuerhalten.

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