Erstellt von Marc Chmielewski

#favouritemodel No.16 - Ebenen des Führungshandelns

Wer sich mit dem Wesen von Führung auseinandersetzt, kommt unweigerlich auf den Gedanken: Wann und durch welche Aktivitäten schaffe ich durch meine Führung einen Mehrwert im Team und für die Organisation?

Gerade im direkten Austausch, begegnen mir immer wieder Führungskräfte, die den Spagat zwischen Übernahme operativer (Fach-)Aufgaben und ihrer gleichzeitigen Verantwortung für den guten Arbeitsrahmen des Teams, als die eigentliche Herausforderung ihrer Rolle beschreiben.

Ein aus meiner Sicht sehr hilfreiches Instrument ist dann die Reflexion über die unterschiedlichen Ebenen auf denen ich als Führungskraft wirksam sein kann und sollte. In dieser Auseinandersetzung wird gleichzeitig der Einfluss deutlich, den eine bewusste Entscheidung für eine der Handlungsebenen auf das Gelingen von Führung hat. 

Ärmel hoch und mit anpacken.

In der Rolle als Führungskraft kann ich auf unterschiedlichen Ebenen wirken und wirksam sein. Zum einen gibt es die operative Ebene, auf der ich konkret dazu beitrage, dass Aufgaben bearbeitet und Probleme gelöst werden. Hier kremple ich die Ärmel hoch und pack mit an. Das wird von einigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und ebenso von einigen Führungskräften sehr geschätzt. Denn, häufig wurden Fachexperten zu Führungskräften. Daher haben sich auch viele Erwartungsmuster festgesetzt, dass die Führungskraft fachlich mindestens auf Augenhöhe mit dem Team sein muss und zugegeben, manche operativen Aufgaben machen einfach Spaß – besonders wenn sie mir liegen.

Rahmenbedingungen gestalten.

Allerdings muss sich meine Tätigkeit als Führungskraft von den Tätigkeiten meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unterscheiden. Ansonsten würde ich ihnen ja im wahrsten Sinne den Platz wegnehmen und damit auch den Raum für Entwicklung. Wenn ich also als Führungskraft nicht operativ tätig bin, was tue ich dann? Im #favouritemodel 1 habe ich beschrieben, dass Führung bedeutet, einen Rahmen zu schaffen in dem andere Leistung erbringen können. Als Führungskraft bewege ich mich größtenteils auf der Rahmenebene. Genau darin liegen der Unterschied und auch der viel größere Wertbeitrag, den ich als Führungskraft stiften kann. Anstatt operativ zu arbeiten, gestalte ich die Rahmenbedingungen, die das Team braucht, erarbeite Ziele, Räume Hindernisse aus dem Weg, schaffe Vernetzungen, sorge für Spielregeln und stelle sicher, dass Konflikte gelöst werden. Somit kann mein Leistungsbeitrag durchaus im Nachdenken und Reflektieren liegen. Dabei es ist wichtig, dass ich mir und anderen diesen Wertbeitrag und seinen Stellenwert im gesamten Leistungskontext deutlich mache. Gerade in der Anerkennung von Führungsleistungen haben einige Organisationen erheblichen Entwicklungsbedarf und damit fällt es auch Einzelnen schwer, persönliches Zufriedenheit aus dem Führungsbeitrag zu ziehen. Aber genau das ist für Führungskräfte entscheidend, um ihr eigenes Potenzial zu entfalten und den Mitarbeiter*innen in ihrer Entwicklung nicht im Weg zu stehen.

Über das eigene Führungshandeln reflektieren.

Die dritte Handlungsebene ist die Meta- oder Helikopterebene. Die Helikopterperspektive haben wir im #favouritemodel 4 bereits ausführlich beschrieben. Im konkreten Führungshandeln bedeutet diese Ebene, regelmäßig zu reflektieren:

  • Was braucht meine Führung im Kontext meines Teams als nächstes?
  • Welche strategischen Impulse brauchen wir?
  • Wie muss ich anders führen?
  • Welche andere Kultur benötigen wir, um unsere Ziele zu erreichen und unsere vertrauensvolle Bindung zu erhalten?

Für die Beleuchtung dieser und ähnlicher Fragen stellen ich mir regelmäßig einen festen Block in meinem Kalender.

Sicherlich bringen Führungskräfte auf allen drei Ebenen einen Mehrwert und deswegen macht es auch wenig Sinn, zu sagen, dass Führungskräfte niemals operativ arbeiten dürfen. Gleichzeitig hat die operative Ebene eine gewisse Sogwirkung und deswegen ist es wichtig bewusst zu entscheiden, wann ich mich auf dieser Ebene bewege. Schon alleine aufgrund der Tatsache, dass dort meist bereits andere sind, bergen Rahmen- und Metaebene deutlich mehr Wertbeitrag. Es kommt in jedem Fall darauf an, bewusst zu entscheiden, auf welcher Ebene ich als Führungskraft agiere und somit in der jeweiligen Situation den größten Mehrwert stifte.

Wie hilft mein #favouritemodel dir?

Das Bild der drei unterschiedlichen Perspektiven habe ich immer präsent und es hilft mir sehr dabei zu entscheiden, worauf ich mich und meine Leistung fokussiere. Dabei bleibe ich nicht immer nur auf einer Ebene, aber entscheide bewusst, wann ich operativ werde und habe dafür klare Kriterien entwickelt.

  • Welche Kriterien helfen dir bei der Entscheidung für die operative Ebene?

Führungshandeln bietet einen Mehrwert und in vielen Fällen wird Leistung anderer erst durch Führung möglich. Im ersten Schritt ist es wichtig für mich selbst zu erkennen, welchen Beitrag ich leiste, wenn ich führe und daraus auch Selbstwert und Anerkennung zu ziehen. Im zweiten Schritt ist es manchmal wichtig, innerhalb des eigenen Umfeldes dafür zu sorgen, dass genau diese Leistung wertgeschätzt wird und diese nicht an operativen Erwartungen gemessen wird.

  • Wie stellst du sicher, dass du deine eigene Führungsleistung wertschätzt und, dass Führung an sich in deinem Umfeld anerkannt wird?

Regelmäßige Reflexion über die eigene Führung ist ein wesentlicher Mehrwert. Gerade wenn alle anderen in Richtung der operativen Ebene driften, ist es entscheidend, auch diese wichtige Ebene regelmäßig zu besetzen.

  • Wie schaffst du dir regelmäßige Zeit, um über deine Führung und die Bedürfnisse deines Teams zu reflektieren?

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