Erstellt von Andrea Böckle

#favouritemodel Nr.8 - Individuelle Realitätskonstruktion

In jedem Moment empfängt jeder von uns über seine fünf Sinne - Hören, Sehen, Fühlen, Riechen und Schmecken - insgesamt ca. 11 Millionen Bits an Informationen. Davon filtert das Nervensystem ca. 200 Bits, die du bewusst gleichzeitig wahrnehmen kannst. Der Rest der Informationen wird gelöscht.

Diese neurologischen Filter sind enorm wichtig für eine schnelle Reaktion deinerseits. Würdest du tatsächlich alle Sinneseindrücke zu jedem Augenblick wahrnehmen, du würdest schlichtweg wahnsinnig werden. Gleichzeitig macht dieser Vorgang die Kommunikation und Interaktion mit Anderen ungemein komplex und herausfordernd. Denn jeder Mensch, als einzigartiger Beobachter seiner Umgebung, kreiert auf diese Weise seine eigene „individuelle Wirklichkeit“. 

Stell dir vor, wir beide sind zur selben Zeit, am selben Ort und betrachten die selbe Situation. Wenn jeder von uns aus den 11 Millionen Bits, 200 Bits filtert, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass meine Auswahl exakt deiner Auswahl entspricht, gleich null. Meine Auswahl ist mein kleiner Ausschnitt der Realität, meine Wirklichkeit. Während deine Wirklichkeit sich mit großer Wahrscheinlichkeit ganz anders darstellt. Genau wie eine Landkarte nie die tatsächliche Realität mit all ihren Details darstellt, stellen auch unsere eigenen mentalen Landkarten nur Ausschnitte dar.

Was formt deine Wirklichkeit und wie komme ich zu meiner Wirklichkeit?

Was und wie wir etwas wahrnehmen, wird zum einen von unseren kulturellen und sozialen Mustern geprägt. So wird bspw. das Thema der Pünktlichkeit in unterschiedlichen Kulturkreisen anders interpretiert und gelebt.

Ein Mitarbeiter dessen ehemaliger Vorgesetzter zu Mikromanagement neigte, wird voraussichtlich auf die Frage seiner neuen Vorgesetzten, wie er im Projekt vorankommt, mit einem sehr detaillierten Bericht über die einzelnen Arbeitsschritte informieren. Während eine andere Mitarbeiterin nur mit einem „Gut läufts!“ antwortet.

Außerdem spielen persönlichen Glaubenssätze, Wertvorstellungen und Präferenzen, die sich im Lauf der Lebensgeschichte gebildet haben, eine große Rolle bei unserer Wirklichkeitskonstruktion: Sie verzerren, tilgen und generalisieren Informationen aus der Umwelt und bilden so deine, wie auch meine mentale Landkarte der Realität. Kurzum, meine Wirklichkeit ist nicht deine Wirklichkeit und umgekehrt.

Diese Tatsache macht die Zusammenarbeit und insbesondere die Kommunikation zwischen zwei oder mehr Menschen an vielen Stellen herausfordernd. Wie können wir auf einen gemeinsamen Nenner kommen, wenn wir doch eine komplett unterschiedliche Sichtweise der Wirklichkeit haben?

Wie hilft mein #favouritemodel dir?

Wenn du dir bewusst machst, dass deine Sicht der Dinge, nicht der Wahrnehmung, der Interpretation deiner Kolleginnen und Kollegen entspricht, dann bedeutet dies, dass du sehr viel mehr Zeit investieren musst, um die unterschiedlichen mentalen Landkarten zu erkunden und miteinander abzugleichen. Nur so stellst du sicher, dass ihr auf einem gemeinsamen Nenner seid und am gleichen Strang zieht. Ganz konkret können dir dabei folgende Dinge helfen:

  • Überprüfe deine innere Haltung – „Die Realität der Anderen sieht anders aus als meine Realität.“
  • Hinterfrage deine Wirklichkeitskonstruktion – was hast du mit deinen Sinnen wahrgenommen und an welcher Stelle verzerren deine Erfahrungen und Glaubenssätze dein Bild und sind diese in diesem Moment hilfreich oder eher hinderlich? Wie würde ein Außenstehender die Situation sehen?
  • Stelle offene Fragen – Wer, was, wann, und wozu? Um einerseits mehr über die Wirklichkeit deines Gegenübers zu erfahren und andererseits deinem Gegenüber zu helfen, seine mentale Landkarte zu schärfen.
  • Paraphrasiere und verbalisiere – fasse in deinen eigenen Worten zusammen, was du als Kernbotschaft verstanden hast und was du zwischen den Zeilen gehört und gefühlt hast. Verbalisiere welche Schwingungen und Emotionen du wahrgenommen hast.
  • Nutze bei virtuellen Meetings die Kamera und das Mikrofon und bitte deine Kollegen es dir gleich zu tun – so vermeidest du, dass eure Wahrnehmung durch einen technischen Filter weiter verzerrt wird.

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